Alle Haltestellen Lina stand oben auf der kleinen Fähre und hielt eine Liste fest. Seit zwei Wochen arbeitete sie im Hafen, weil sie Geld für eine Reise mit ihrer Klasse brauchte. Heute sollte Frau Ahrens entscheiden, ob Lina den Sommerjob behalten durfte. „Du musst jede Haltestelle kennen“, sagte Frau Ahrens. „Auch ohne Liste.“ „Ich kenne sie“, sagte Lina, obwohl ihre Finger das Papier nicht losließen. Cem kam mit zwei Gläsern Wasser nach oben. Er war in Linas Klasse und arbeitete seit gestern auf der Fähre. „Frag mich“, sagte Lina zu ihm. „Warum sollte ich?“ „Weil ich sonst gleich meinen Job verliere.“ Cem nahm ihre Liste und hielt sie hinter seinen Rücken. „Welche Haltestelle kommt nach dem Nordtor?“ „Die Alte Halle.“ „Und danach?“ „Der Kleine Strand, die Südbrücke und das Werfttor.“ „Sehr gut“, sagte Cem. „Du klingst schon wie der Lautsprecher.“ Die Fähre verließ das Nordtor, und Lina ging nach unten zu den Fahrgästen. Frau Ahrens stand am Steuer, während aus dem Lautsprecher eine ruhige Stimme kam. „Nächste Haltestelle: Alte Halle.“ Lina zeigte einem Mann den Weg zur Tür und half einer Frau mit einer großen Tasche. Als die Fähre wieder losfuhr, blieb der Lautsprecher plötzlich still. Frau Ahrens drückte auf einen Knopf. „Die Verbindung ist kaputt.“ „Soll ich etwas tun?“, fragte Cem. Frau Ahrens sah zu Lina. „Sie macht die Ansagen.“ Lina öffnete den Mund, aber zuerst kam kein Wort heraus. Die Leute warteten, und ein kleines Kind schlug mit beiden Händen gegen das Fenster. Cem flüsterte: „Nach der Alten Halle kommt der Kleine Strand.“ „Das weiß ich“, sagte Lina und nahm das Telefon für die Ansagen. Ihre erste Ansage war zu leise. „Nächste Haltestelle: Kleiner Strand.“ „Lauter“, rief ein alter Mann von hinten. Lina holte Luft. „Nächste Haltestelle: Kleiner Strand. Bitte halten Sie Ihre Taschen fest und gehen Sie vorsichtig zur Tür.“ Jetzt hörten alle zu. Beim Kleinen Strand stiegen sieben Leute aus, und Lina sagte die Südbrücke an. Danach nannte sie das Werfttor, den Fischmarkt und den letzten Halt am Sonnenkai, ohne einmal auf ihre Liste zu sehen. Als die Fähre am Sonnenkai hielt, legte Frau Ahrens den Schlüssel auf den Tisch. „Morgen um acht bist du wieder hier.“ Lina steckte die Liste in ihre Tasche. „Also habe ich den Job behalten?“ „Wenn du morgen nicht zu spät kommst.“ Cem gab Lina ihr Glas Wasser. „Ich habe übrigens nicht wegen des Geldes hier angefangen.“ „Warum dann?“ Er sah schnell zur Tür. „Du hast gesagt, dass der Sommer im Hafen lang wird.“ Lina nahm seine Liste und hielt sie hinter ihren Rücken. „Gut, dann lernst du jetzt alle Haltestellen.“