Der letzte Bus Anna steht an der Bushaltestelle am kleinen Platz. Heute fährt sie zum letzten Mal diesen Bus. Morgen beginnt ihre neue Arbeit. Der Bus kommt um sieben Uhr zehn. Paul steht schon dort. Er steht jeden Morgen dort. Anna kennt Paul seit vielen Monaten. Paul kennt Anna auch. Sie haben nie miteinander gesprochen. Heute sieht Anna auf die Uhr. Der Bus kommt bald. Paul sieht zu ihr. Dann sieht er wieder auf die Straße. „Guten Morgen“, sagt Anna. Paul sieht sie an. „Guten Morgen.“ „Fährt dieser Bus noch zum Bahnhof?“ „Ja. Er fährt zum Bahnhof.“ „Danke.“ „Bitte.“ Der Bus kommt. Anna und Paul steigen ein. Sie setzen sich wie immer nicht zusammen. Anna sitzt vorne. Paul sitzt hinten. Anna hält ihre Tasche auf dem Schoß. Paul hält sein Handy in der Hand. Er sieht nicht auf das Handy. Er sieht nach vorne. An der nächsten Straße steht der Bus. Anna steht auf. Sie geht zur Tür. Paul steht auch auf. „Steigst du schon aus?“, fragt er. „Ja. Heute ist mein letzter Tag hier.“ „Dein letzter Tag?“ „Ja. Morgen arbeite ich woanders.“ Paul hält die Tür. „Dann fährst du morgen nicht mehr mit diesem Bus?“ „Nein. Morgen fahre ich nicht mehr mit diesem Bus.“ Der Bus hält. Anna bleibt an der Tür stehen. Paul bleibt neben ihr stehen. Niemand steigt ein. „Das ist schade“, sagt Paul. Anna sieht ihn an. „Warum?“ „Weil ich dich jeden Morgen sehe.“ Anna sagt nichts. Der Fahrer wartet. Paul sieht auf den Boden. „Du kannst morgen trotzdem kommen“, sagt Anna. „Wohin?“ „Hierher. Um sieben Uhr zehn.“ „Aber du bist nicht hier.“ „Nein. Ich bin nicht hier.“ „Dann kann ich nicht mit dir fahren.“ „Nein“, sagt Anna. „Aber du kannst mit mir sprechen.“ Paul sieht sie an. „Heute sprichst du mit mir.“ „Heute spreche ich mit dir.“ „Warum heute?“ Anna nimmt ihr Handy aus der Tasche. „Weil ich morgen nicht mehr komme.“ Paul nimmt auch sein Handy. „Gibst du mir deine Nummer?“ Anna hält das Handy hin. „Sag deine Nummer.“ Paul sagt die Nummer. Anna schreibt sie. Dann ruft sie ihn an. Sein Handy klingelt in seiner Hand. „Jetzt hast du meine Nummer“, sagt sie. „Jetzt habe ich deine Nummer.“ „Rufst du mich an?“ „Ja. Heute Abend.“ „Wann?“ „Um acht Uhr.“ „Um acht Uhr ist gut.“ Der Fahrer sagt etwas. Anna hört nicht hin. Der Bus wartet noch. „Wie heißt du?“, fragt Paul. Anna lacht kurz. „Du hast meine Nummer, aber du kennst meinen Namen nicht.“ „Das stimmt.“ „Ich heiße Anna.“ „Ich heiße Paul.“ „Ich weiß.“ „Du weißt meinen Namen?“ „Ich habe ihn auf deinem Brief gelesen.“ Paul sieht auf seine Tasche. „Du hast den Brief gesehen?“ „Jeden Morgen.“ „Und du hast nie etwas gesagt.“ „Du auch nicht.“ „Das stimmt.“ Der Bus fährt weiter. Anna bleibt an der Tür. Ihre Straße kommt. Sie nimmt ihre Tasche. „Jetzt muss ich gehen“, sagt sie. „Ja.“ „Paul?“ „Ja?“ „Ruf mich wirklich an.“ „Ich rufe dich wirklich an.“ Anna steigt aus. Paul steigt nicht aus. Er steht an der Tür und sieht auf die Straße. „Anna“, sagt er. Sie dreht sich um. „Ja?“ „Morgen fahre ich nicht mit diesem Bus.“ „Warum nicht?“ „Ich komme um sieben Uhr zehn hierher.“ Anna nickt. „Dann komme ich auch.“ Der Bus fährt los. Anna bleibt an der Straße stehen. Ihr Handy klingelt sofort.